The Ocean Cleanup – Wie säubern wir die Meere?

Wir alle haben es schon einmal erlebt. Bei einem Strandspaziergang entdecken wir nicht nur Muscheln und Algen, sondern auch Müll am Strang. PET Flaschen, Verpackungen und und und – Ich ärgere mich jedes Mal über Leute, die ihren Müll nicht bis zum nächsten Mülleimer oder wieder nach Hause bringen. Dieses Problem haben wir natürlich nicht nur an Stränden. Doch all dieses Plastik, was auf dem ein oder anderen Weg im Meer landet, ist es Problem!

Ein Rückblick

In meinem Atlas der Meere, welcher 2000 in Deutschland im Naumann & Göbel Verlag erschien, dessen erste Version jedoch auf 1977 zurück geht, findet das Problem von Plastik in den Meeren nur Oberflächlig erwähnung.

Das wahllose Wegwerfen von Plastik an Land oder von Schiffen führt zur Verunreinigung von Stränden und einer Bedrohung für insbesondere Meeressäuger, Tauchvögel und Schildkröten. Diese Tiere können sich im Müll verheddern und ertrinken. Eine Anzahl von Fischereiausrüstungen geht jedes Jahr verloren. Es wurde berichtet, daß verlorengegangene “Geisternetze” Jahre später Fisch eingefangen haben.

– Großer Atlas der Meere – Geheimnisvolle Welten unter Wasser; Naumann & Göbel; Ausgabe 2000; Seite 113

Vielmehr findet sich in diesem Buch leider nicht über die Folgen von Plastik im Meer. Doch das Problem ist viel größer.

Folgen und Probleme der Plastik Verschmutzung der Meere

Flyer: Müllkippe MeerIm Meereskunde Museum in Stralsund, welches wir letztes Jahr besuchten, nahm ich einen A4 großen Flyer von NABU mit. Er trägt den Titel “Müllkippe Meer – Plastik und seine tödlichen Folgen”. Die Probleme sind dabei sehr vielschichtig.

  • Die “Geisternetze” sind eine tögliche Falle für Meeresschildkröten, Robben und Delfine. Sie alle müssen zum Atmen an die Oberfläche gelangen. Verheddern sie sich in dem Netz, werden sie elendig ertrinken. Diese Netze treiben Jahrzehnte lang im Meer.
  • Plastiktüten und kleine Plastikstücke können von Meerestieren mit ihrer natürlichen Nahrung verwechselt werden. Wie würde es uns wohl gehen, wenn wir Plastik zum Mittag essen würden? Plastik ist unverdaulich und verstopft den Verdauungsapparat. Es kann zu inneren Verletzungen kommen oder sie verhungern mit vollem Magen.
  • Plastik braucht Jahre (Plastikflaschen brauchen bis zu 450 Jahre!) bis es sich zersetzt. Dabei setzt es chemische Verbindungen frei, die ungehindert ins Meer gelangen und das Erbgut und den Hormonhaushalt der Meerestiere schädigen. Wenn wir nun wiederum Fisch aus dem Meer essen, gelangen diese Stoffe auch in unsere Körper. Es besteht bereits der Verdacht, dass sie auch bei uns Hormon- und Fortpflanzungsstörungen auslösen.

Zusätzlich muss man sich natürlich vor Augen führen, dass der in Häfen oder an Strände gespühlte Müll auch wieder eingesammelt und entsorgt werden muss. Laut dem Flyer fließen in die Reinigung von Häfen, Küsten und Stränden Jahr für Jahr viele Millionen Euro.

Weitere Informationen zu dem Thema:

Mitlerweile haben sich durch die Meeresströmungen regelrechte Müllhalden im Meer gebildet. Fünf riesige wirbelförmige Driftströme gibt es laut der aktuellen Technology Review (7/2014) derzeitig in den Ozeanen. Sie entstehen durch die Schubkraft der Winde und der Erdrotation. Einen dieser 5 Ströme entdeckte man 1997 zwischen Hawaii und Kalifornien. Im Nordatlantik entdeckte man die marine Müllhalde erst 2010. Wir haben also erst begonnen, das Ausmaß unseres Tuns und der damit verbundenen Folgen zu begreifen.

Im Kampf gegen die Plastikflut

Gegen den Müll, der bereits im Meer gelandet ist, können wir einzelnen in der Regel nur herzlich wenig tun. Doch jeder von uns kann einen Beitrag zur Vermeidung von Plastikmüll leisten!

Was können wir alle tun?

  • Verzichtet so oft es geht auf Plastiktüten. Nehmt wiederverwendbare Stoffbeutel und Einkaufskisten. Wenn ihr doch Plastiktüten nehmt, entsorgt sie ordnungsgemäß und nutzt sie vielleicht noch als Mülltüte, damit sie noch einen kleinen weiteren Zweck erfüllt.
  • Mehrweg statt Einweg – Natürlich sind die kleinen Plastikflaschen einfach praktisch. Sie sind handlich und haben nur ein geringes Eigengewicht. Wo es möglich ist, sollte man dennoch auf auf Mehrweg-Glas umsteigen, im Idealfall natürlich regional. Geht das nicht, gilt auch hier: Sauber entsorgen!
  • Achtung beim Kauf von Kosmetik-Produkten. Die Kosmetik-Industrie nutzt Mikroplastikkögelchen für Duschgels und Peelings und auch in Zahnpasta. Dabei gibt es Alternativen. Achtet auf die Inhaltsstoffe eurer Produkte. “Polyethylene” weisen auf Plastikanteile im Produkt hin. Wollt ihr euch das wirklich ins Gesicht schmieren?
  • Die einfachste Sache der Welt, die wir alle tun können: Trennt euren Müll und entsorgt Plastik ordnungsgemäß. Lasst euren Müll nicht irgendwo fallen, sondern bringt ihn zum nächsten Mülleimer und entsorgt ihn zu Hause.

All das sind sehr einfache Dinge, die jeder von uns beitragen kann. Ein kleiner Beitrag zur Vermeidung von noch mehr Plastikmüll, der die Meere verstopft. Wer an einem Strand wohnt, kann natürlich ebenfalls helfen, indem er den dort rumliegenden Müll einsammelt und entsorgt. Das gilt auf für Flüsse, denn diese spühlen den Müll früher oder später ebenfalls ins Meer.

Wie säubern wir die Meere?

Alle Anstrengungen, die wir zur Vermeidung von weiterem Plastik-Müll unternehmen, lösen leider nicht die Probleme der bereits angefallenenen Müllmassen. Boyan Slat (19) hat jedoch eine Vision, wie wir den Müll wieder aus dem Meer heraus bekommen. Sein Projekt nennt sich “The Ocean Cleanup” und hat erst kürzlich die Forschungsphase abgeschlossen. Nun steht der Bau eines ersten größeren einsatzfähigen Prototypen an.

In diesem Clip könnt ihr einen ersten Eindruck von seinem Vorhaben gewinnen:

Am 3. Juni gab Boyan Slat in New York City einen aktuellen Vortrag zum Stand seines Projektes.


Ein 19 Jähriger ist es also, der mit seiner Vision uns einen Weg aufzeigt, wie wir vielleicht einen Teil des Problems eindämmen können. Ich gebe zu, dass ich etwas zwiegespalten bin. Auch die Anlage wird ein Fremdkörper im Meer sein und damit eine Störung und Gefahrenquelle für Meeresbewohner. Doch in diesen sauren Apfel müssen wir wohl beißen, um einen Teil des bereits angerichteten Schadens zu beheben.

Weitere Informationen:

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