Hilfe, mein Baby isst keinen Brei

“Mein Baby isst keinen Brei” habe ich mehr als nur einmal im Internet gesucht, um irgendwie Erfahrungsberichte zu lesen. Der Beikoststart ist wohl eine Etappe im ersten Lebensjahr, zu dem man viel diskutieren könnte. Startet man nach dem 4. Monat oder erst nach dem 6.? Brei oder BLW (Baby-Led-Weaning)? Löffel oder Breiflasche? Selbstgekocht oder Gläschen?

Da gibt es Kinder, die stürzen sich gierig auf jeden Löffel, den man ihnen anbietet und es gibt Babys, die finden das erstmal überhaupt nicht lustig. Zur letzteren Sorte gehörte unsere kleine Motte.

Vor dem Beikoststart

Direkt zur Geburt unserer kleinen Motte hatten wir ein kleines Babybrei-Kochbuch geschenkt bekommen und hatten uns vorgenommen, schön selbst zu kochen. Wir legten uns ein Nutribaby von Babymoov zu (Dampfgarer und Mixer), um möglichst einfach, schonend und fein Babybrei für unsere kleine Tochter zu machen.

Bis zum Beikoststart stillte ich unsere Tochter ausschließlich. In den Ausnahmesituationen, in denen wir zufüttern mussten, hat sie nie viel genommen und auch Muttermilch wollte sie nicht aus der Flasche. Bitte immer schön frisch von Mama!

Das schlaucht und das schlaucht vor allem, wenn man so einen kleinen Nachttrinker hat, der sich alle 2 Stunden meldet.

“Oh, wenn sie doch nur am Tag mehr essen würde, dann würde sie doch bestimmt auch bald durchschlafen!”

So meine naive Hoffnung. Entsprechend starteten wir mit der Beikost recht früh. Wir warteten die letzten Wehwehchen der letzten Impfrunde ab und dann sollte es losgehen. Weitere Kriterien:

  • sie konnte auf dem Schoß gestützt sitzend ihren Kopf stabil halten
  • sie schmatzte, wenn sie uns beim Essen zusah (zumindest bildeten wir uns das ein)

Unser Beikoststart

Und so kochten wir fleißig ein. Karotte, Kürbis, Süßkartoffel. All diese Dinge die schön süßlich sind und vor allem super Flecken machen. Doch egal was wir anboten, nach den ersten Löffelchen folgte lautstarker Protest.

Ach, da mussten wir alle durch.

Hörten wir es teilweise lachend aus der Verwandschaft, wenn wir unter Geschrei unsere Tochter zu füttern versuchten. Ob es vielleicht zu früh sei? Ob wir abbrechen sollten?

Quatsch, sie muss das jetzt lernen, sonst tanzt sie euch ewig auf der Nase herum.

Auch solcherlei Feedback bekamen wir. Doch immer wieder schauten mein Mann und ich uns beim Füttern an und überlegten.

Das kann doch nicht normal sein. Essen soll doch etwas positives sein!

Nicht selten suchte ich in Foren von Erfahrungsberichten, um vielleicht irgendeinen Hinweis zu finden, was wir wohl falsch machten.

Unser Baby mag keinen Brei – die gängigen Tipps

Meist findet man immer wieder die gleichen Tipps, die wiederholt werden. Die meisten zeigten bei uns keine Wirkung.

Tipp 1: Das Baby vorher ein wenig stillen

Die Annahme besteht darin, dass das Baby zu hungrig und daher zu unkonzentriert für das Essen vom Löffel ist. Daher vorher einfach “ein bisschen” stillen. Dieses bisschen ist echt schwer einzuschätzen, wenn das Baby auch normal schon nur 3 Minuten trinkt.

Tipp 2: Das Baby ist zu satt

Das Gegenstück zu Tipp 1. Ich kann dazu nur sagen: Egal mit welchem Abstand wir es versuchten, das brachte uns alles nicht weiter.

Tipp 3: Pause machen

Diesen Tipp hätten wir womöglich früher beherzigen sollen. Einfach nochmal aufhören und 2 Wochen Pause machen. Gerade wenn man die Zeit hat und es keinen Zeitdruck für’s Abstillen gibt oder man sehr früh begonnen hat, sollte man wirklich eine Pause versuchen. Das schont die Nerven auf beiden Seiten.

Wir haben 2 Mal die Fütterung unterbrochen.

Tipp 4: Erstmal Obst versuchen

Überall liest man, dass man mit Gemüse und dann dem Gemüse-Fleisch-Brei loslegen sollte. Doch wenn das nicht klappt, einfach mal Obst versuchen. Gequetschte Banane, Apfelmus etc. Unsere Motte fand zumindest unser selbstgemachtes Apfel-Birnen-Mus (ca. 1 Birne und 2 Äpfel) recht lecker. Davon aß sie auch keine rauen Mengen, aber zumindest nahm sie es ein wenig an.

Tipp 5: Löffel zum Spielen

Um das Baby ein wenig zu beschäftigen, kann man einen zweiten Löffel zum Spielen anbieten, während man mit dem anderen füttert. Bei diesem Löffel sollte man darauf achten, dass sich das Baby beim Erkunden daran nicht verletzen kann. Dieser Tipp hat bei uns am Anfang überhaupt nicht funktioniert. Aktuell klappt es manchmal, hält aber auch nicht lange an.

Unser Baby mag noch immer keinen Brei

Irgendwann erreichten wir die Phase, wo unsere Motte einfach den Mund zusammenkniff und ihn auch nicht aufmachen wollte. Bei einem schreienden Kind kann man – mit Bedacht – wenigstens Brei hineinschaufeln, aber wenn der Mund gar nicht aufgeht?

Es folgte eine kurze Phase, in der wir viel Energie investierten, alberne Dinge zu machen, damit sie lachte und somit endlich wieder den Mund öffnete. Doch Babys sind nicht dumm und man kann auch mit geschlossenem Mund schmunzeln. Noch dazu folgte recht bald wieder die Schreiphase, wenn wir sie ein paar mal ausgetrickst hatten. Womit wir wieder am Anfang waren…

Wenn euch das bis hier her alles sehr bekannt vor kommt, dann hoffe ich, dass euch die nachfolgenden Tipps helfen.

Wie wir unser Baby zum Essen brachten

Als unsere Motte ca. 6 Monate alt war, legten wir eine weitere Pause ein und änderten unsere Strategie. Heute ist die Kleine nun 8 Monate alt und isst in der Regel ohne viel Geschrei.

Unsere neue Strategie erforderte von uns Geduld und vor allem Experimentierfreude.

Tipp 1: Essen mit anderen Babys

Wir haben begonnen, am Ende unseres einen Babytreffs mit ein paar anderen Mamis deren Babys “gute Esser” waren, zu füttern. Die Idee war, dass unsere Kleine sehen würde, dass das mit dem Essen etwas normales isst und andere Kinder das auch machen. Das haben wir mehrere Wochen lang immer wieder gemacht und hält auch weiter an.

Tipp 2: Selbstbestimmtes Essen

Ein Baby, dass stillt, isst selbstbestimmt. Denn selbst wenn man die Brust anbietet, kann man das Babys noch lange nicht zum Trinken zwingen. Die kleinen entscheiden selbst. Ein zwanghaftes “Hineinschaufeln” mit dem Löffel ist das genaue Gegenteil.

Nun wollten wir unserer Kleinen auch nicht unbedingt den Löffel selbst in die Hand geben. Statt dessen gab es – angelehnt an BLW – zu jeder Mahlzeit etwas Fingerfood. Ein Hirsekringel (gibt es von Hipp, können gut eingespeichelt werden), ein Stück Apfel (sehr beliebt), eine gedämpte Möhre (nicht so beliebt), gedämpfter Brokoli (gar nicht beliebt), Brotkanten (sehr beliebt) etc.

Dazwischen haben wir ihr immer wieder Brei angeboten. Zunächst Obstmus, dann Obst-Getreidebrei und dann natürlich auch Gemüse-Fleisch-Brei. Letzteres klappte erst etwas später. So konnten wir Phasen des Fütterns mit Phasen des “selber Essens” verbinden.

Falls ihr Sorge beim Obst habt, holt euch vielleicht einen Fruchtsauger. So kann das Baby keine Stücken verschlucken.

Ärmellätzchen sind hierbei übrigens ein guter Schutz für die Babysachen.

Tipp 3: Unterschiedliche Löffel ausprobieren

Es gibt sehr unterschiedliche Babylöffel. Manche sind schmaler, manche breit, manche flach, manche tief. Wir haben Temperaturlöffel von unserem Kochbuch, einen von Hipp, die einfachen (5er-Set) von Babydream, einen von Humana …

Für unsere Fütterungen beim Babytreff suchte ich eine kleine “Box” für unterwegs. Doch die Reisesets gibt es immer nur mit Besteck. So zog ein weiterer Löffel – nämlich einer von Philipps Avent bei uns ein. Dieser ist eher schmal und klein und man denkt beim Füttern, dass man nie fertig wird. Doch es ist genau DIESER LÖFFEL den unsere Maus zum Lieblingslöffel erkoren hat. Sie macht nämlich den Mund eher “spitz” auf, sodass breite Löffel gar keine Chance haben.

Tipp 4: Hochstuhl

Zu Beginn unseres Beikoststarts klappte das alleinige Sitzen noch nicht so gut. Doch mit 6 Monaten und einem kleinen Kissen konnte sich unsere Motte in ihrem Hochstuhl gut halten. Mittlerweile sitzt sie auch so auf dem Boden stabil. Dass alleinige Sitzen fördert hierbei wieder den Gedanken des “selbstbestimmten Essens”.

Falls ihr noch keinen Hochstuhl habt, holt euch einen, den ihr gut sauber machen und abwischen könnt. ;)

Tipp 5: Positiven Zuspruch

Wir machen kein großes Gewese mehr ums Essen. Doch wenn sie alles aufgegessen hat, dann klatschen wir ihr zu und singen “Hast fein gemacht”. Dann freut sie sich riesig.

Wenn sie zwischendrin unglücklich wird, dann singe ich manchmal:

“Mit Fingerchen, mit Fingerchen
mit der flachen Hand.
Mit Fäustchen, mit Fäustchen,
mit Ellenbogen,
Klatsch, klatsch, klatsch.”

Dabei klopfe ich jeweils mit Fingerchen, flacher Hand, Fäustchen oder eben Ellenbogen auf den Tisch – oder ihre Tischfläche am Hochstuhl.

Tipp 6: Trinken anbieten

Unsere Motte trinkt beim Essen zwischendrin immer wieder Wasser. Wenn sie also zu meckern beginnt, bieten wir ihr erstmal was zu trinken an. Oft kommt dann auch wieder das Interesse für das Essen.

Tipp 7: Akzeptieren, wenn kein Hunger da ist

Ein Baby kann sich noch nicht so artikulieren. Es kann, wenn es nicht mehr mag, den Kopf weg drehen oder auch schreien. Beim ersten Kopf weg drehen geben wir natürlich noch nicht auf – manchmal will sie spielen – doch wenn das Geschrei beginnt, hören wir auf. Denn das Erlebnis soll positiv bleiben.

Isst mein Baby zu wenig?

Ihr kennt sie doch bestimmt? Diese Menschen, die 3 Döner zum Mittag essen können und auch sonst sehr viel essen – und trotzdem total schlank sind. Und dann gibt es jene, die schon nicht viel essen und trotzdem zunehmen.

Jeder Mensch – egal ob groß oder klein, verwertet die aufgenommene Nahrung unterschiedlich. Ein effektiver Nahrungsverwerter braucht weniger essen, um trotzdem gesund zu wachsen. Unser Mädchen ist auch so ein guter Essensverwerter. Sie isst keine riesengroßen Mengen. Von 190g sind wir oft weit weg. Doch sie wächst und gedeiht ohne dass die Kinderärzte (Gemeinschatspraxis) bisher etwas auszusetzen hätten.

Übrigens: Egal wie viel Brei wir unserer Kleinen am Abend einhelfen, sie will zum Einschlafen trotzdem stillen. Und egal, wie lange sie dann stillt, sie kommt die Nacht trotzdem ca. alle zwei Stunden. ;)

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