Der kleine Junge in der Straßenbahn

Nachdem ich mit einem Kollegen gestern gerade so noch die Straßenbahn gekriegt habe, stieg ich, nachdem ich wieder allein war, an der nächst besten Gelegenheit in den ersten Wagen um. Die hinteren erscheinen mir immer so voll.

Und siehe da, im ersten Wagen bekomme ich auch gleich einen Platz, wo ich zur Fahrtrichtung sitzen kann. Bei seitlich und rückwärts ist mir danach irgendwie immer sehr flau im Magen. Während ich mich innerlich ein wenig sträubte, als ich den herben Geruch meines “Banknachbars” wahrnahm, fiel mein Blick auf die gegenüber liegenden zwei Plätze.

Da saß ein kleiner Junge von vielleicht 7 oder 8 Jahren und verstecke sich hinter der auf die Scheibe gedruckten Reklame vor der Sonne. Da musste ich einfach schmunzeln. Doch kaum hatte er das gesehen, fing er an zu grinsen. Ich guckte weg, doch ein Grinsen konnte ich nicht unterdrücken. Und auch meine Neugier nicht, also guckte ich wieder. Der Kleine Tat so, als würde er sein Gesicht hinter den Händen verstecken und war doch gleichzeitig zu neugierig und luckte immer wieder hervor. Wenn ich guckte, grinste er und drehte ein wenig verlegen das Gesicht weg.

Doch die Verlegenheit hielt nicht lange an und schon bald fing er an, Grimassen zu schneiden. Ich musste ein lautes Lachen unterdrucken, doch ein Kichern konnte ich nicht vermeiden.

So erheitern war schon lange keine Straßenbahnfahrt mehr. Plötzlich herrschte von hinten eine Frauenstimme: “Justin, lass das!”. Nach anfänglichem Protest hörte er auf, Grimassen zu schneiden, doch grinste mich immernoch an. Ich zwinkerte ihm zu und er lachte.

Als der Mann neben mir ausstieg, schwang sich der Kleine auf den Platz neben mir. “Keine Sonne.” Murmelte er zur Scheibe hin, doch immer wieder stahl sich der Blick zu mir, als ob er kontrollieren wollte, ob ich nicht doch guckte.

Eine Station weiter stieg er mit seiner Mutter schließlich aus.

Ich hoffe, er hat keinen weiteren Ärger bekommen, ich war ja schließlich nicht ganz unschuldig und habe ihn ermutigt. Aber so lange es keine eigenen Kinder sind, macht es auch Spaß, Kinder bei solchen Sachen zu ermuntern. Im Grund hat er ja auch nichts Schlimmes getan. :)

Wie wird Döner serviert?

Diese Frage hätte ich bis vor kurzem völlig verständnislos mit “Na im Fladenbrot” beantwortet. Doch in Hannover scheint sich die Welt anders herum zu drehen.

Mit Heißhunger auf dieses Imbisgericht bin ich vor knapp zwei Wochen mit meinen Kollegen zum Döner-Kebap gegangen, um mir dort in der Mittagspause den Bauch vollzuschlagen.

Doch mein Heißhunge bekam einen ziemlich harten Dämpfer. Der Döner wurde in einem Brötchen serviert !!! Auf die Frage, ob das überall so sei oder nur bei diesem Laden, der sich die Geschäftsfläche mit einem Bäcker teilte. Ein Kollege, der in Berlin groß geworden ist und entsprechend den Döner auch eher mit Fladenbrot kennt, meinte er hätte bisher noch keinen mit Fladenbrot gesehen.

Also wer nach Hannover kommt, esse etwas anderes als Döner. Denn zum Döner gehört Fladenbrot. ^^’

Familientreffen

Letzten Freitag – also am 12. Juni – haben wir den runden Geburtstag meines Paps gefeiert. Und wie das zu runden Geburtstagen immer so ist, kommen natürlich viele Gäste und man bekommt endlich mal wieder seine Verwandschaft zu Gesicht. Aus Berlin, Dresden, ja sogar aus Wien kamen Sie zu uns in den Norden gefahren. Unter Ihnen ein “Neuankömmling”, den ich bis auf Fotos noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte.

Die kleine Zoe kam im November letzten Jahres auf die Welt und da der Weg nach Wien recht weit ist, bekamen wir (also meine Eltern und mein Bruder eingeschlossen) sie erst jetzt zu Gesicht. Im Gegensatz zu ihren Cousinen hat sie nicht so extrem blaue Augen, was ich auch mal ganz schön finde. ^^

zoe

Damit fehlt nur noch die jüngste Tochter von meinem jüngsten Cousin. Der konnte nämlich nicht kommen, weil er arbeiten musste und kein Urlaub bekommen hat. Dann vielleicht ein anderes Mal. :)

Aber eins muss man ja mal sagen: Insgesamt habe ich jetzt schon 7 kleine Nichten 2. Grades. Nen kleiner Neffe wär zwischendurch auch mal ganz nett gewesen. ^^’ *scherz*

Lebenszeichen

Irgendwie wars hier die letzte Woche ganz schön ruhig. Bevor jetzt jemand denkt, ich hätte die Lust verloren, will ich dazu eine kurze Erklärung abgeben. Wie einige vielleicht mitbekommen haben, befinde ich mich gerade in meinem abschließenden Praktikumssemester.

Derzeitig ist es so, dass wenn ich von Arbeit komme, ich meist erstmal zum Sport gehe oder in die Bibliothek, um dort Quellmaterial für meine Bachelorarbeit zu finden. Alles zusammen sorgt dann dafür, dass ich immer recht spät erst zu Hause bin. Da ich letztes Wochenende zu Hause war (dazu gleich mehr), kam ich auch nicht groß dazu, etwas zu zeichnen, Fotos zu bearbeiten etc.

Doch vielleicht legt ihr meinen Blog einfach in euren Feedreader, dann merkt ihr ja sofort, wenn hier mal wieder etwas Neues passiert. :)

Der fremde Mann

Zügigen Schrittes schlürft er vorbei. Den Blick starr auf den nächsten Eimer gerichtet. Er ist ganz in hellem Jeansstoff gekleidet. Auf dem Rücken trägt er einen alten Rucksack, in der Hand einen von Schmutz verfärbten Stoffbeutel.

Nichts.

Er geht zum nächsten Eimer. Seine Hose ist abgetragen und hier und da kann man ein kleines Loch erkennen. Das graue Haar und der Bart wirken ungeplegt und er trägt eine blaue Baseballmütze tief im Gesicht.

Wieder nichts.

Vor ihm springt eine Ampel aufGrün und er weicht den heranströmenden Fußgängern aus. Schlängelnd such er sich einen Weg durch die Menschen, die ohne ihn zu beachten in ihrem Alltag weiterhasten. Er Weicht ihnen aus, auf dem Weg zum nächsten Mülleimer.

Da!

Ohne zu zögern greift er hinein. Hinein in den Eimer. Ein Rest ist noch drin. Er öffnet die Flasche und schüttet ihn aus. Sorgsam verschließt er die Flasche und legt sie zu den anderen in seinem Stoffbeutel. Er wendet sich ab und zieht weiter.

Weiter zum nächsten Mülleimer.

***

In letzter Zeit sind mir nach Feierabend immer wieder ältere Menschen aufgefallen, die in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchen. Ich nehme an, sie lösen sie gegen den Pfand ein. Zur WM 2006 habe ich einmal eine Reportage gesehen, in der eine Frau die Becher einsammelte, um deren Pfand so viele der Besucher sich nicht kümmerten. Doch dieses Geld war für sie eine gute Einnahmequelle, da sie berichtete, dass sie sich ihr Gebiss neumachen wollte, was sie sich nicht leisten konnte.

Es ist irgendwie erschreckend, gestandene (oder eher gebrochene?) Menschen im Müll kramen zu zählen. Junge Menschen, die auf dem Fußballplatz die Bierflaschen einsammeln, um sich ihr Taschengeld aufzubessern, sind eine Sache, aber erwachsene Menschen. Das wirkt auf mich irgendwie verstörend. Doch sie sind Teil und Ergebnis unserer Gesellschaft…