Vergänglichkeit der Zeit

Ich würde grundsätzlich behaupten, dass ich mich mit meinen 26 Jahren noch nicht besonders alt fühle. Sicherlich, man ist bereits einige Wege gegangen und hat einige Türen passiert, wodurch andere nun verschlossen bleiben. Doch bisher schien das alles weniger dramatisch zu sein.

Seit ein paar Jahren spühre ich nun das Alter und die Vergänglichkeit der Zeit zunehmend. Weniger an mir, mehr an meiner Familie. Mein kleiner Bruder ist schon lange nicht mehr klein und wirkt mit jedem Mal, dass wir uns sehen, ein wenig erwachsener. Jedes Jahr zu Weihnachten denke ich daran, wie ich immer alle Weihnachtsgeschenke eingepackt habe, die wir zu verschenken hatten. Heute wohnt er mit seiner Freundin zusammen und eigentlich sehen wir uns nur noch ziemlich selten.

So richtig klar werden mir die voranschreitenden Jahre und die Endlichkeit aller Dinge jedoch erst, wenn ich meine Großeltern sehe. Ich habe immer das Gefühl, dass gestern noch alles in Ordnung, alle top fit und gesund waren. Natürlich ist das eine verzerrte Wahrnehmung, denn das Alter ist ein schleichender Prozess. Die Vergesslichkeit steigt, es gibt selten ein Familienfest, bei dem nicht über Krankheiten gesprochen wird und 3 von 4 haben mitlerweile ein Hörgerät. Letzteres finde ich eigentlich gar nicht schlimm, ganz im Gegenteil, es erleichtert das Miteinander extrem. Die allgemeine Lautstärke in Unterhaltungen ist gesunken. Vorausgesetzt, sie haben ihre jeweiligen Geräte nicht irgendwo liegen gelassen oder die Batterien sind alle. Doch auch diese Situationen nimmt man spielend mit.

Seit 2011 vermisse ich zunehmend das Lachen auf den Lippen meines ältesten Opas, wenn ich ihn frage, wie es ihm geht. Ich vermisse den trotzigen Ton, wenn er mir mitteilt, dass es ihm natürlich gut geht. Denn “schlechten Menschen” geht es immer gut, hat er früher gescherzt. Dabei ist mein Opa alles andere als ein schlechter Mensch! Ich will dabei auch gar nicht wissen, wie oft er damit schon das ein oder andere Übel überspielt hat, damit wir uns keine Sorgen machen. Heute sehe ich regelrecht, wie er sich anstrengt zu lächeln und meine Frage nur noch mit einer Gegenfrage beantwortet. “Wie soll es mir schon gehen? Opa geht es immer gut.”

Doch leider geht es einem mit zunehmendem Alter eben nicht mehr immer gut.

Heute ist mein Opa nun wieder ins Krankenhaus gekommen und ich hoffe und wünsche sehnlichst, dass alles gut geht und er sich danach wieder besser fühlt.

 

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