Wand der Erinnerung

Als wir Anfang des Monats waren, erhielten wir die Möglichkeit, die Synagoge dort zu besuchen. Wir schritten durch einen warm erleuchteten Gang. Das Licht strömte durch die matten Glasplatten, auf denen eine Vielzahl von Namen stand. Namen von Opfern der Gemeinde, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. Ihnen gegenüber stehen wie ein Mahnmal die Orte des Verbrechens: Auschwitz, Buchenwalt, Majdanek. Doch auch Worte der Toleranz finden sich dort wieder. Ein Aufruf an die Nachwelt.

Eine Wand der Erinnerung. Wie oft fürchte ich mich davor, Menschen, die aus diesem Leben getreten sind, zu vergessen. Ich merke, wie die Bilder vor meinem inneren Auge verblassen. Manchmal kann ich sie mit Fotos auffrischen, für andere fehlt mir ein Bild und es bleiben nur die Eigenarten. Das charmante Lächeln, die Begeisterungsfähigkeit. Manchmal, da wünsche auch ich mir eine Wand der Erinnerung, die alles aufnehmen kann. Ich wünschte, ich könnte meine Erinnerungen vor dem Vergessen bewahren, doch Dinge, die ich heute als unwichtig erachte, werde ich in ein paar Jahren bereits vermissen.

Die Wand der Erinnerung – eine eindrucksvolle Konstruktion, die mir sowohl vom symbolischen Charakter, als auch von ihrer Ästhetik sehr gefällt.

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