Man weiß nie, wofür es gut ist

“Man weiß nie, wofür es gut ist.”, hat mein Papa oft gesagt, wenn etwas nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und in der Tat, wenn ich heute zurück blicke, so scheinen sich doch auch die negativen Erfahrungen irgendwann mit positiven Effekten zu zeigen.

Geprägt in Kindertagen

Als wir 1995 nach nur 2 Jahre – ich hatte gerade die 2. Klasse abgeschlossen – wieder umziehen mussten, weinte ich bitterlich. Getrennt von meinen neu gewonnenen Freunden fühlte ich mich in Wittstock als Außenseiter. Nachträglich in eine bereits in Cliquen zersplitterte Klasse gekommen, tat ich mich schwer, neue Freunde zu finden. Meine erste Vorleseleistung wurde von der Lehrerin mit einem “Christina, wenn ich das bewerten müsste, wäre das jetzt eine 5”, quittiert. Danach weinte ich noch mehr und wollte so gern zurück in meine alte Klasse.

Heute weiß ich, dass dieses Erlebnis für meine Entwicklung gut war. Denn es war ein Schlüsselerlebnis und prägte mein späteres Lernverhalten.

Man weiß nie, wofür es gut ist.

Wo Schatten ist, da ist auch Licht

Und heute, viele Jahre später, blicke ich auf diese 2 Jahre in Finsterwalde zurück, die mir in jungen Jahren durch den Wegzug so viel Kummer bereitet haben, und weiß, wofür sie gut waren. Denn so seltsam wie es klingt, hätte ich wohl meinen heutigen Schatz und Verlobten nie kennen gelernt, wenn ich nicht diese 2 Jahre dort zur Schule gegangen wäre. Nein, wir kennen uns nicht seit dieser Zeit – dafür jedoch auf einer Geburtstagsfeier meiner alten Schulfreundin. Danke, Mama und Papa, dass ihr geholfen habt, diese Freundschaft so lange aufrecht zu erhalten. Und Danke an meine Schulfreundin, für die Geburtstagseinladung vor gut 7 Jahren. ;)

Man weiß halt nie, wofür es gut ist.

Berufseinstieg mit Hindernissen

Auch mein Berufseinstieg war sicherlich nicht der leichteste. Er war geprägt von viel Selbstständigkeit, vielen Überstunden und schnellem Einarbeiten. Mit gerade 26 Jahren steuerte ich so auf meinen ersten Burn-Out zu – und konnte einen vollständigen Zusammenbruch nur mit einer äußerst drastischen Maßnahme gerade so verhindern: Ich kündigte meine Stelle, kehrte dem Projektmanagement den Rücken und stieg nach einer kurzen Auszeit auf eine 3 Tage-Stelle in der Konzeption um.

Es folgte ein Auf und Ab. Eine gescheiterte Masterbewerbung, ein Abschied von der alten Stelle, ein Kurzstopp bei einem neuen Arbeitgeber, eine gescheiterte Gründung und 5 Monate Selbstständigkeit bis ich im September letzten Jahres meine aktuelle Stelle – zurück im Projektmanagement – antrat. Auch wenn diese Berg- und Talfahrten wirklich sehr anstrengend waren, so weiß ich heute, dass ich anders wohl kaum eine solch steile Lernkurve hätte absolvieren können.

Heute weiß ich was ich kann, kenne meine Stärken und Schwächen und meine eigenen Grenzen. Ich habe gelernt, auf die Signale meines Körpers zu hören, um nicht wieder eines Tages die Notbremse ziehen zu müssen.

Man weiß halt nie, wofür es gut ist.

Im Alltag

Und erst neulich erlebte ich mein Lebensmotto wieder in Aktion. Mein Schatz musste dienstlich verreisen. Ich half ihm beim Tragen der Sachen zum Auto. Am Auto unterhielten wir uns noch kurz mit einer ehemaligen Nachbarin, die uns auf eine alte Frau aufmerksam machte, die sie neulich beim Frisör gesehen hatte. “Die hat irgendwie Selbstgespräche geführt, das war ein bisschen unheimlich.” Als wir uns verabschiedeten und mein Schatz sich zum Losfahren ins Auto setzte, kam die Frau zu uns herüber und fragte, ob wir sie nicht zum Altersheim fahren könnten. “Auch das noch”, dachte ich. Das Altersheim war nur gute 100m weiter die Straße herunter. Etwas unsicher schaute ich meinem Verlobten in die Augen. Er zuckte die Schultern und stimmte zu.

Die Dame stieg also ein und während das Auto von der Einfahrt Richtung Altersheim fuhr, lief ich zur Straßenecke und beobachtete das Geschehe mit einem mulmigen Gefühl. Wahrscheinlich hatte ich einfach zu viel Supernatural und andere Thriller gesehen, um zu glauben, dass etwas schief gehen könnte. Das Auto hielt, ich sah meinen Schatz aussteigen und um das Auto gehen – vermutlich, um der Frau beim Aussteigen zu helfen.

Und während ich all das so beobachtete, glitt meine Hand zu meiner Hosentasche – und fand sie leer. Ich hatte weder Hausschlüssel, noch Handy, noch sonst irgendwas. Hatte ich den Schlüssel stecken gelassen? Nach einem kurzen zögern rannte ich panisch die Straße entlang zum Altersheim. Bewusst auf der Straße in der Angst, dass mein Schatz womöglich jeden Moment wieder in sein Auto steigen könnte und weiter fahren könnte.

Doch ich hatte Glück, ich erreichte ihn vorher. Den Schlüssel hatte ich zum Tragen in seinen Korb gelegt und leider vergessen, nach dem Abstellen wieder heraus zu nehmen. Hätte er die alte Dame nicht die kurze Strecke mitgenommen, so hätte ich wohl zu spät gemerkt, dass ich keinen Schlüssel hatte.

So weiß man eben nie, wofür etwas gut ist.

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