Qualität vs. Quantität

und selbstgebaute Käfige.

Wiedereinmal sitze ich frustriert vor einer Arbeit, für die ich am Vortag noch mehrere Stunden investiert habe. Ich bin unzufrieden. Unzufrieden mit meiner Arbeit. Unzufrieden mit mir selbst. Eingeengt in einen Käfig, in den ich mich selbst gesperrt hab, fällt mein Blick auf den Schlüssel, der scheinbar außerhalb meiner Reichweite liegt. Doch die Frage ist wohl vielmehr, ob ich ihn brauche – oder ob die Barrieren nicht allein in meinem Kopf existieren und die Tür eigentlich die ganze Zeit schon offen steht…

Ich habe schon in der Schule ein grandioses Talent dafür besessen, mich selbst zu verplanen. Die Neugier und Lust, neue Dinge auszuprobieren, trieb mich an. Doch unbemerkt entwickelte sich auch eine Angst. Sie sitzt mir unscheinbar im Nacken und beeinflusst mein Handeln doch maßgeblich. Die Angst, etwas zu verpassen. Die Angst, eine Chance nicht zu nutzen.

An einer Hochschule ist soetwas natürlich fatal. Denn es gibt unzähliige Kurse, die alle interessant und spannend wären, die man aber allein aus Zeitgründen überhaupt nicht alle besuchen könnte. So hatte ich mich dieses Semester dazu entschlossen, Japanisch und Französisch zu belegen – und Tennis zum Ausgleich. Gleichzeitig stellte ich mich Anfang Oktober auch in der Schülerhilfe vor, wo ich zunächst einen Kurs übernahm. Ein zweiter folgte im nächsten Monat. Nicht zuletzt hatte ich auch einem Freund meine Hilfe in Mathe zugesagt, wodurch meine Zeit eigentlich schon recht eingeschränkt war.

Seit vorletzter Woche hat nun auch die Projektzeit für MPM (Multimedia Projektmanagement) begonnen, in der wir ein Rollenspiel durchführen. Und nebenbei läuft natürlich auch noch Interface-Design, wo wir derzeit in der Analysephase sind…

Alles in allem kann man zusammenfassen, dass mir von Montag bis Donnerstag kaum noch Zeit für etwas anderen bleibt. Sodass ich mich eigentlich am Montag schon fast auf das Wochenende freue. Und genau dieser Punkt stimmt mich schon ein wenig nachdenklich. Irgendwas läuft hier falsch. Denn auf Kommando am Wochenende kreativ sein und die Energie für all die Sachen haben, die man gerne machen würde, das ist schwer möglich. Und so schaff ich eigentlich immer weniger, als ich ursprünglich wollte.

Wenn ich nun aber alle Punkte durchgehe, dann gibt es nicht viele Möglichkeiten, Zeit einzusparen. Meine Kurse bei der Schülerhilfe will ich schon behalten, denn ich will ja selbst auch einen finanziellen Beitrag zu dem Auslandssemester leisten, das ich mir in den Kopf gesetzt habe. Japanisch ist zu lustig und begeistert mich zu sehr, als dass ich es jetzt abbrechen würde. Tennis brauche ich einfach, sonst würde ich mich wohl kaum noch bewegen (die paar Meter von meinem Zimmer zur Papierfabrik zählen nicht). Was bleibt also?

Französisch. In einer Unterhaltung mit einem Freund wurde mir mal wieder deutlich, warum ich eigentlich hingehe. Da ist nämlich wieder die Angst im Rücken. Die Angst, die mir sagt, wenn du nichts dafür tust, wirst du es vergessen. Die Antwort dazu ist eigentlich denkbar einfach: “Es ist keine Schande, etwas zu vergessen, das man nicht braucht.” In Anbetracht meiner aktuellen Zeit(ver)planung, scheint es also alles andere als sinnvoll zu sein, noch weiter Zeit zu investieren. Schließlich ist es sowohl der Kurs (90 Minuten) als auch die Vorbereitung darauf, die Zeit kostet.

Und viele Dinge mit halbem Herzen zu tun, statt wenige Dinge mit angemessenem Einsatz, kann doch auf Dauer nur frustrierend sein?

Also ringe ich mich dazu durch, die Tür vor meiner Nase einen Stück weiter aufzuschieben und auf die frische Luft zu warten, die hoffentlich bald durch diesen Spalt strömen wird. Und bald kommt dann hoffentlich die Zeit, in der ich die Tür noch ein Stück weiter aufstoßen und meinen eigenen Käfig verlassen kann.

Großen Dank an Markus “Kyp” B.

2 thoughts on “Qualität vs. Quantität

  1. Mir ist jetzt nicht ganz klar geworden, ob du Französisch jetzt abbrichst oder nicht. Ich war froh, als ich die Sprache nicht mehr hatte, die Gammatik hat mich fast ins Grab gebracht.

    Ich mag übrigens Deine Umschreibung mit dem Käfig und der Tür sehr…

  2. Ich habe mich nun entschieden, Französisch dieses Semester nicht weiter zu besuchen. ;) Ich muss zugeben, dass ich die Grammatik auch nur nach Gefühl mache (ein Hoch auf meinen Paps, der mir was von seinem Sprachgefühl mitgegeben hat), aber das viel größere Problem ist und waren Vokabeln. Hab damit am Anfang immer ziemlich geschludert…

    Freut mich übrigens, dass die Metapher gefällt, war mir nicht sicher, ob sie nicht vielleicht zu kitschig ist. (Wobei mir auch nichts besseres eingefallen wäre.)

Leave a Reply

*